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HandwerkskunstDie Töpferei von Soufflenheim, acht Jahrhunderte Erde und Feuer
Ein Kaiser, der bei der Jagd verletzt wird, ein Wald voller Ton, Töpfer mit dem Spitznamen „Höllengeister“: Die Geschichte der elsässischen Töpferei ist so bunt wie ihr Geschirr.

Foto: Ji-Elle, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons
Alles, was wir in der Poterie du Terroir in Ribeauvillé aus gebranntem Ton verkaufen, kommt aus einem einzigen Dorf: Soufflenheim im Nordelsass, am Rand des Hagenauer Forsts. Um zu verstehen, warum eine elsässische Kougelhopf-Form (Gugelhupf) keiner anderen gleicht, muss man weit zurückgehen.
Ein Boden, der seit der Vorgeschichte bearbeitet wird
Die Funde aus den Hügelgräbern im Hagenauer Forst lassen vermuten, dass man hier schon im 2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung Ton formte. Die Töpferscheibe kommt um 400 v. Chr. in die Region. Die ersten gesicherten Spuren von Werkstätten stammen dagegen aus dem 12. Jahrhundert.
Die Barbarossa-Legende
Ins 12. Jahrhundert legt die Überlieferung auch das Gründungsereignis. Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der gern im Hagenauer Forst jagte, soll bei einer Jagd verletzt und von einem Töpfer aus Soufflenheim gerettet worden sein. Eine andere Fassung erzählt, die Töpfer hätten ihm eine Krippe aus gebranntem Ton geschenkt. Zum Dank soll er ihnen das Recht gewährt haben, den Ton im Wald unentgeltlich und auf ewig abzubauen.
Eine Urkunde ist nicht erhalten, und die Erzählungen weichen voneinander ab. Das Privileg aber hat es wirklich gegeben: Die Töpfer haben es jahrhundertelang verteidigt und ausgeübt.
1837, das goldene Zeitalter
Bei der Volkszählung von 1837 hat Soufflenheim 55 Töpfereien. Rund 600 von 3 000 Einwohnern leben von der Keramik, und zwei von drei Töpfern sind zugleich Bauern. Die Holzöfen speien damals so viele Flammen und so viel Rauch, dass die Nachbarn die Töpfer Hellegeischter nennen, die „Höllengeister“.
Nach 1870 brechen die Absatzmärkte weg, und viele Werkstätten verschwinden. Der Neuanfang kommt in den 1960er-Jahren, getragen von der Begeisterung der deutschen Kundschaft und dann vom Tourismus. Heute sind in Soufflenheim rund zehn Töpfereien in Betrieb, darunter Siegfried-Burger & Fils und Beck.
Ein Ton, der den Ofen mag
Der Ton des Hagenauer Forsts liegt in fünf bis zehn Metern Tiefe. Fett, reich an Sand und Kieselsäure, ist er feuerfest: Er hält die Hitze des Ofens aus, ohne mit der Wimper zu zucken. Das hat Soufflenheim zur Hauptstadt des Kochgeschirrs aus Ton gemacht, in dem man wirklich gart und backt, und nicht nur der Ziertöpferei.

Sieben Schritte, alle von Hand
- Aufbereiten des Tons und Drehen.
- Eindrehen in die Form, für die Serien.
- Engobieren: Das Stück wird in einen flüssigen, gefärbten Tonschlicker getaucht, der die Grundfarbe gibt.
- Dekor, freihändig, mit dem Malhorn (französisch barolet): einem kleinen Tongefäß mit einem Gänsekiel, aus dem die Farbe fließt.
- Trocknen, zwei bis drei Wochen.
- Glasieren, durch Eintauchen in eine Glasur, die beim Brand verglast.
- Brand bei 1 000 bis 1 100 °C, sieben bis neun Stunden lang.
Die feinen Haarrisse, die man manchmal in der Glasur sieht, nennt man Krakelee (französisch „tressaillage“). Das ist normal, und genau das erlaubt es dem Stück sogar, die Hitze wegzustecken.
Margeriten, Herzen und Störche
Die Margerite ist die Blume, die für Soufflenheim steht. Man findet auch Herzen, Arabesken, Punkte und natürlich Störche. Lange auf wenige Farbtöne beschränkt, bieten die Töpfer heute eine breite Palette: Rot, Nachtblau, Grün, Grau, Creme, Gelb.
Nicht mit Betschdorf verwechseln
Ein paar Kilometer weiter stellt Betschdorf etwas völlig anderes her: graues Steinzeug mit kobaltblauem Dekor und Salzglasur, nach einer Technik, die Töpfer aus dem Westerwald 1734 mitbrachten. Es dient traditionell zum Aufbewahren (Sauerkraut, Essig, Schnaps). Soufflenheim, das ist die bunte glasierte Irdenware, die in den Ofen darf.
Eine Herkunft, die jetzt geschützt ist
Seit dem 11. März 2022 garantiert die geschützte geografische Angabe „Poteries d'Alsace – Soufflenheim/Betschdorf“, dass die gesamte Herstellung im Nordelsass stattfindet. Die Töpfer bezifferten den Schaden durch Kopien damals auf mehrere zehn Millionen Euro pro Jahr.
Diese Töpferwaren in Ribeauvillé sehen und anfassen
Sie müssen nicht bis nach Soufflenheim hinauffahren: Die Poterie du Terroir, Grand'Rue 33 in Ribeauvillé, zeigt Backformen, Terrinen und Auflaufformen der Töpfer von Soufflenheim. Der Laden ist von März bis Dezember an sieben Tagen in der Woche von 10 bis 19 Uhr geöffnet.
Quellen: Pressemappe „Töpferei“ des Tourismusbüros Pays Rhénan, soufflenheim.net, poterie.alsace, betschdorf.com, Verzeichnis der geografischen Angaben des INPI, France 3 Alsace.